„Hinter den
Mauern“
Exposé für einen 60-Minuten Spielfilm
Nach einer Idee von
Fabian Gasmia
Fertig gestellt: 28. Februar
2005
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Die Synopsis
Im
Jahre 2020 ist Berlin wieder in zwei Zonen geteilt. Die 14-jährige Sophie stellt
diese politische Entscheidung ihres Vaters nicht in Frage, bis sie eine
Videosequenz von ihrer verstorbenen Mutter zu sehen bekommt. In der folgenden
Nacht lernt sie die realen Zustände im Land kennen und beginnt den Kampf gegen die
Machtpolitik des Vaters.
Unser Thema
Von den
heutigen Entwicklungen ausgehend, müssen die westlichen Staaten in den nächsten
Jahren zwei Hauptprobleme lösen:
- zum einen Massenarbeitslosigkeit,
- zum anderen
die Bedrohung durch den Terrorismus
Produktionsbetriebe
wandern in Billigländer ab, Computer ersetzen den Menschen, Firmen entlassen
ihre Mitarbeiter, um Kosten zu sparen und Gewerkschaften verlieren ihre
Daseinsberechtigung. Ohne die Macht neue Arbeitsplätze zu schaffen, wird es für
die Regierungen nur noch das Ziel geben die Massen ruhig zu stellen.
Daneben
schotten sich die westlichen Staaten zunehmend ab und versuchen Schutzmaßnahmen
zu entwickeln, die sie vor den billigen Arbeitskräften aus den ärmeren Ländern schützen.
Doch durch ihre Abkehr schüren sie nur noch die Gewaltsamkeit und
Entschiedenheit der Gegner. Was als Schutz und Sicherheit gedacht war, lässt
nur das Leid und den Hass auf beiden Seiten wachsen.
Der Film
entwickelt ein solches Zukunftsmodell im kleinen Maßstab und zeichnet schon
heute absehbare Entwicklungen nach, die hoffentlich nie die gleiche Ausprägung
erfahren werden. Sophie und Christian stellen in dieser Welt typische Opfer
dar. Sie können dem System nicht entfliehen, weil der Punkt an dem ein Ausweg
noch möglich war, schon längst hinter ihnen liegt.
Das Konzept
Wir
befinden uns in der Nacht zum Jahreswechsel des Jahres 2020. Nach mehreren
Jahren der Unruhen durch die wirtschaftlich dramatische Situation in
Deutschland, wurde das Berliner Regierungsviertel durch den Bau einer Mauer
geschützt. Damit erfuhr die Zweiklassengesellschaft auch eine territoriale
Trennung. Von der inneren Zone aus regieren die neu gegründete Voss-Regierung
und wenige Wirtschaftsbosse das gesamte Land Germania. In den Außenbezirken
Berlins wird die große Zahl der Arbeitslosen durch eine gesicherte
Grundversorgung und der ständigen Präsenz der Sicherheitspolizei in Schach
gehalten. Der Großteil der Bevölkerung
schlägt sich mit den geringen Zuwendungen des Staates durch und lässt sich von
den medialen Sensationen steuern. Wohl und Glück wird alleine an den zu geflimmerten
Werten gemessen. Politische Gegenwehr leistet nur noch die so genannte Gruppe NEUE
FRONT 2010. Sie stellen die letzten Feinde dar, die der Staat für ihr
vollkommenes System beseitigen muss. In dieser Silvesternacht soll das
Schicksal der Terroristen besiegelt werden …
Die Umsetzung
Obwohl wir
eine Zukunftsvision entwerfen, wollen wir uns bei der Wahl der Drehorte an der
Gegenwart orientieren. Berlin ist schon heute mit unsichtbaren Mauern
durchzogen. Gegensätze wie zwischen dem sterilen Potsdamer Platz und den
zerfallenen Marzahner Plattenbauten prägen das Stadtbild. Diesen realen
Hintergrund beziehen wir originalgetreu in den Film ein. Genauso verfahren wir
mit unseren Charakteren. Die Hauptprotagonisten sind fiktional, doch sollen die
Bewohner der Stadt von Laien gespielt und semi-dokumentarisch in die Geschichte
eingebetet werden. Durch die Widererkennung der Orte und Figuren schaffen wir
das Gefühl, dass die Realität des Jahres 2020 nicht weit entfernt liegen.
Die Charaktere
SOPHIE
VOSS (14) – lebt auf einem Internat für Hochbegabte abgeschottet von der politischen
Wirklichkeit des Landes. Eine Videosequenz von ihrer Mutter, die bei einem
Anschlag ums Leben kam, weckt ihr Misstrauen gegenüber dem Vater. Um mehr
herauszubekommen, schließt sie sich einem jungen Saboteur an und wagt sich in
die äußere Zone. Obwohl sie dort allein nicht überlebensfähig ist, bestimmt sie
durch ihre Begabung für Programmierung und Codierung den Erfolg der Suche
entscheidend mit.
CHRISTIAN
LÖB (15) – ist der Sohn des Anführers der NEUE FRONT 2010. Christian kämpft
zwar für die dieselben Ziele, will aber mit dem brutalen Anschlägen seines
Vaters nicht zu tun haben. Als Zorro beim Volk beliebt und berüchtigt, versucht
er mit Sabotageaktionen das System ohne Gewalt zu revolutionieren.
TORSTEN
VOSS (55) – gründete die erzkonservative VOSS-Partei und ist heute demokratisch
legitimiertes Führungshaupt über Germania. Seit der Ermordung seiner Frau wuchs
sein Streben nach Sicherheit und Wohlstand ins Irrationale. Seine
Machterhaltung steht über allen Zielen. Den Anschlag auf seine Frau, nutzt er
um seine radikale Sicherheitspolitik zu rechtfertigen. Um komplette Kontrolle
zu erhalten, strebt er nach der Vernichtung der Terroristen und dem
verschollenen „Gedächtnis“.
ROLAND
LÖB (47) – ist ein ehemaliger Gewerkschaftsführer, der nach einer spektakulären
Hetzkampagne entmachtet wurde. Nach den brutalen Übergriffen der Voss-Regierung
gründet er mit alten Gewerkschafts-genossen die NEUE FRONT 2010. Sein Ziel ist
die Wiedergeburt der individuellen Freiheit jedes Einzelnen. Doch die ewige Gewalt
und Verfolgung haben auch aus ihm einen skrupellosen Anführer geformt, der den
vielen Opfern einen Sinn geben will.
DAS
GEDÄCHTNIS - ist ein Archiv, das unverfälschtes und nicht manipuliertes
Bildmaterial aus Zeiten vor der Gleichschaltung der Medien enthält. Der
Standort geriet nach dem Mauerbau in Vergessenheit.
Der Handlungsablauf
Es
ist der Silvesterabend 2019. Statt sich für den Maskenball in der „Regierungszentrale“
vorzubereiten, sitzt Sophies Vater immer noch vor dem Bildschirm, um zusammen
mit einer zugeschalteten Jury im Minutentakt Gerichtsurteile über
staatsfeindliche Gefangene zu fällen. Als Sophie anfängt zu drängeln, kann sie sich
wieder einen Vortrag über die Wichtigkeit des Kampfes gegen die NEUE FRONT 2010
und die Feinde Germanias anhören. Ein Streit entfacht, in dem Sophie ihre
ersten Zweifel gegenüber dem väterlichen Gerechtigkeitssinn äußert. Sophie
fordert ihren Vater auf, die Politik an diesem Feiertag einmal zu vergessen.
Schließlich ist sie durch das Internat nur noch selten zu Hause. Der Vater erstickt
ihre Forderungen mit dem Hinweis auf das Schicksal ihrer Mutter. Seine Arbeit
dient dazu, die Mörder zu finden und Sophie sowie ihrer Generation eine sichere
Zukunft zu bieten. Sophie sind die Erinnerungen des Mordanschlags an ihrer
Mutter, wie ein Alptraum ins Gedächtnis gebrannt. Sie blickt auf die Bilder
ihrer Mutter, die überall in der Wohnung verteilt sind und versucht ihren Vater
erneut nach den Umständen des Todes auszufragen. Doch wie immer blockt der
Vater ab. Sophie bohrt weiter und möchte wissen, warum die Schwester ihrer
Mutter nach der Ermordung nie mehr zu Besuch kam. Der Vater schwört, dass sich
die Schwester nie mehr gemeldet hat und beendet damit die Diskussion.
Zur
gleichen Zeit bereitet der beim Volk der äußeren Zone beliebte Zorro eine
seiner neuen Störungsaktionen vor. Zorro alias Christian klettert zu den
Antennen des Regierungsgebäudes hinauf, um seine Übertragungsgeräte zu
installieren. Sophie hat sich ebenfalls aufs Dach geflüchtet, wo sie in ihrem
Ballkostüm mathematische Formeln auf ihrem
neuesten
Computer löst. Er besteht aus einen winzigen Chip, der seine Bilder an Wände
projiziert. Fasziniert beobachtet Zorro mit welcher Schnelligkeit Sophie die
komplizierten Formeln ausrechnet. Die Zahlenreihen huschen über die
Häuserfassaden entlang und beleben die triste Abenddämmerung. Als sie bei einer
Differentialrechnung immer wieder ins Stocken gerät, serviert ihr Zorro die
Lösung und verwickelt die ahnungslose Sophie in seine Sabotagepläne. Getrieben
von dem ambitionierten Wettstreit im Lösen von Formeln fällt es Sophie nicht
auf, dass sie Christian die gesuchte Übertragungsfrequenz ermittelt. Sie kann
nicht verhindern, dass er seinen Plan vollendet und plötzlich wie vom Erdboden
verschwindet. Es hat keinen Sinn nach ihm zu suchen und sie hetzt schließlich zum
Maskenball.
Mit
ihrem Vater trifft Sophie genau zu dem Zeitpunkt ein, als das normale Programm auf
den Leinwänden unterbrochen wird. Für 25 Sekunden erscheinen Zorro und seine verbotenen
Bilderfetzen aus den Zeiten vor der Mauer. In einer kurzen Sequenz meint Sophie
auch ihre Mutter zu erkennen, die sich in einem Interviewausschnitt gegen die
Mauer ausspricht. Ihr Vater will danach nichts gesehen haben, aber für Sophie
besteht kein Zweifel mehr. Sie ist verärgert über die Ignoranz des Vaters und will
selbst die Wahrheit herausbekommen.
Eine
Weile bleibt Sophie noch an der Seite ihres Vaters, der von den
Wirtschaftsmogulen begleitet und in Gespräche verwickelt chauffiert
wird, bis sie in der Menge Christian im Kostüm des Zorros entdeckt. Obwohl er aus
dem Gebäude flüchten will, muss er sich auf Sophies Einladung zum Tanz einlassen,
um seine Tarnung aufrechtzuerhalten. Dabei versucht sie Zeit zu gewinnen, um den
Saboteur festzuhalten, aber Christian lässt sich nicht so leicht in die Ecke
drängen. Charmant versucht er Sophie für sich einzunehmen. Brenzlig wird es
erst, als Sophies Vater den Unruhestifter ausmacht. Er alarmiert das
Sicherheitspersonal und Sophie nutzt die Situation, um Christian einen Deal vorzuschlagen.
Wenn er ihr das vollständige Interview mit ihrer Mutter zeigt, schleust
sie ihn aus dem Gebäude. Zorro willigt ein, ist es doch eine Genugtuung für
seine Freibeuterseele, mit der berühmtesten Tochter der Stadt gemeinsame Sache
zu machen.
Aus
dem Gebäude entkommen, erfährt Sophie jedoch, dass sie Christian für das
Filmmaterial in die äußere Zone folgen muss. Obwohl das gegen nahezu jedes
Gesetz verstößt und dem Verrat an ihrem Vater gleichkommt, ist ihr Begehren
nach Informationen über ihre Mutter größer als jede Angst und väterliche
Autorität. Sophie lässt die Glitzerwelt und die sterilen Häuserschluchten hinter
sich und unterläuft mit Christian die Mauer durch einen ausgedienten
U-Bahntunnel.
Auf
der anderen Seite der Mauer sind die Straßen voll feiernder Menschen, die ihre
Armut für einen Tag vergessen wollen. Die ärmlichen Verhältnisse sind für
Sophies Augen vollkommen ungewohnt. Sie klammert sich ganz fest an Christian. Der
genießt ein wenig Sophies Hilflosigkeit und lässt sich fröhlich von den Menschen feiern, die ihm
immer wieder auf die Schulter klopfen und mit ihm anstoßen wollen. Sophie atmet
auf, als sie endlich den geheimen Techno-Club in einem stillgelegten U-Bahnhof
erreichen. Hier soll sich Christians Partner aufhalten, der ihm sämtliches
Filmmaterial besorgt. Er soll sie zum „Gedächtnis“ führen, dessen
Aufenthaltsort und Existenz mit dem Bau der Mauer in Vergessenheit geriet. Es
ist ein versteckter Ort, in dem sich noch ungeschnittenes Archivmaterial
befindet. Solange das Archiv von der Voss-Regierung nicht entdeckt wird, kann
sie ihre mediale Säuberungsaktion nicht vollenden. Christians Partner, den sie unter
den älteren Techno-Ravern gefunden haben, erklärt Sophie, dass alles Material
vernichtet werden soll. Gebannt hört Sophie zu, als die Polizei beginnt den
Club abzusperren. Ein Tumult bricht aus, in dem Christians Partner schwer
verletzt wird. Bevor der Mann die Adresse des geheimen Archivs verraten kann,
stirbt er. Brutal wird Sophie klar, in welchen bürgerkriegsähnlichen Zustand
sich ihre Heimat befindet.
Durch
eine Ohrfeige wird Sophie zurück in die Realität gerissen. Auf der Flucht vor
der Polizei folgt Sophie Christian zu seinen Verstecken. Die Verfolger bleiben
ihnen dicht auf den Fersen. Christian kann sich das nur damit erklären, dass
Sophie eine Spionin ist, was zu einem heftigen Streit zwischen beiden führt. Sophie
ist über Christians Anschuldigung zutiefst verletzt. Erbittert beteuert sie
ihren Wunsch mehr über den Tod ihrer Mutter zu erfahren. Plötzlich packt
Christian sie am Arm und schleift sie in einen alten Bunker.
Völlig
verängstigt beugt sich Sophie seiner Autorität und findet sich auf einem
Arztstuhl wieder. Sophie wird der Ortungschip operativ entfernt. Ungläubig hält
sie den Sensor in der Hand. Der ehemals berühmte Arzt, der im Zuge der
Massenarbeitslosigkeit seine einzige Verwendung im Untergrund fand, erklärt der
erstaunten Sophie, dass fast alle Menschen diesen Chip laut Gesetz in sich
tragen müssen, um sie jederzeit orten zu können. Er rät ihr den inaktiven Chip bei
sich zu behalten und zeigt ihr wie sie ihn aktivieren kann.
Christian will nun ohne Sophie weiterziehen. Die
Hilfe mit dem Chip sollte ein letztes Entgegenkommen sein. Bei seinen geplanten
Sabotageaktionen ist Sophie nur ein Klotz am Bein. Aber ohne Christians Hilfe ist
Sophie in der äußeren Zone vollkommen hilflos. Sie versucht ihn zu überreden,
mit ihr gemeinsam nach der verlorenen Schwester der Mutter zu suchen, die ihnen
weitere Informationen zum Aufenthaltsort des „Gedächtnisses“ liefern könnte.
Sophie schafft es, Christian davon zu überzeugen, dass sie ein gemeinsames Ziel
verfolgen und voneinander profitieren können. Sie zeigt Christian ihren Hochgeschwindigkeitscomputer.
Mit dem Komprimierungsaxiom, das sie entwickelt
hat, kann sie größte Datenkapazitäten mit
einer maximal Geschwindigkeit übertragen. Das überzeugt auch Christian. Christian sieht ein, dass ihm Sophie nützlich sein kann. Er führt
sie in einen Bunker im Prenzlauer Berg. Hier lernt Sophie Teile eine Untergrundbande
kennen, die sich auf Raubzüge in der inneren Zone spezialisiert haben. Unter
ihnen ist auch Christians Bruder, der sich in der Stadt auskennt, wie kein
anderer. Bei einer der damaligen Maidemonstration verlor der Bruder beide
Beine, als einer der Panzerwagen quer durch die Menge fuhr. Von ihm bekommen
sie den Hinweis, wo sich die Geburtsstätte von Sophies Mutter befindet. Dort
könnte sie auch mehr über den Verbleib der Schwester erfahren. Danach will der
Bruder noch mehr über Zorros Sabotageerfolge erfahren, die für ihn mehr Sinn
machen, als die Anschläge des Vaters, die Menschenleben kosten. Doch wegen
Sophies Gegenwart unterbricht Christian das Gespräch über den Vater.
Sophie
will den Bunker verlassen, ihre Flucht wird aber von Mitgliedern der Türkengang
durchkreuzt, die sie nicht gehen lassen wollen. Einer von ihnen hat sie anhand
des Suchbildes erkannt, dass in den Nachrichten gezeigt wurde. Auch Christian
wird festgehalten und soll ausgeliefert werden. Ein Streit bricht zwischen den Mitgliedern
der Gang wegen dem weiteren Vorgehen aus, den Sophie geschickt schürt. Schließlich
schaffen sie es unbemerkt zu entkommen. Sophie bemerkt, dass Christian ihr
jetzt respektvoller begegnet. Nach dieser Aktion sieht er in Sophie nicht mehr
nur das verwöhnte Kind aus der reichen Zone.
Er
nimmt sie mit auf eines der Marzahner Hochhäuser, um ihr einen Ort zu zeigen,
wo keine Mauer mehr ihre Sicht versperren kann. Hier oben kann er vergessen,
was unten passiert und manchmal stellt er sich vor, einfach über die Häuser
hinweg fliegen zu können. Sophie vertraut ihm an, dass sie auch so einen Ort
hat, wo sie alleine mit ihrer verstorbenen Mutter Gespräche führt. Nebeneinander
sitzend, beobachten Christian und Sophie die ersten Raketen der Nacht. Er holt
seine Videokamera hervor und filmt Sophie. In ihrem inzwischen sehr in
Mitleidenschaft gezogenen Kostüm verrät sie ihre Wünsche für das neue Jahr. Es kommt
zu einer Annäherung und zum ersten Kuss.
..........